Girls on tour: Weibliche Entdecker – Teil 1

Di, Mrz 18, 2014

. Artikel von: Christine

Weltkarte_Norman B. Leventhal Map Center at the BPLWer hat’s erfunden, oder besser gesagt: gefunden? Historisch war das Entdecken den Männern überlassen. Thomas Cook, Kolumbus, Sir Edmund Hilary, Lindbergh – Namen, die jeder aus dem Geschichtsunterricht kennt. (An-)Stand, Geld, Mut und feste Rollenverteilung in der Gesellschaft waren alles Gründe für Frauen nicht in die weite Welt hinauszuziehen.

Wie immer im Leben, gab es jedoch einige wenige Grenzgängerinnen, die sich nicht von gesellschaftlichen Normen und Ansehen abhalten ließen und mutig ihre Ziele in der Ferne verfolgten. Leider wird über diese Frauen viel zu wenig berichtet.

Anlässlich des Internationalen Tages der Frau am 8. März und unserer Serie “Girls on tour” blicken wir zurück auf wahre Reisepionierinnen, die uns heutigen weiblichen Reisenden den Weg in die Welt geebnet haben. Dabei unterscheiden sich weibliche Reisende von ihren männlichen Vorbildern. Oftmals ist es das Reisen um des Reisenwillens, das im Vordergrund steht. Das Eintauchen in eine neue Kultur, das Reflektieren, Vergleichen und Suchen steht sinnbildlich für eine Fahrt ins Innere.

Wir haben deshalb für Dich in zwei Blogartikeln zwischen Erkunderinnen und Zielstrebigen unterschieden. Los geht es mit den Erkunderinnen.

Die Erkunderinnen

Anna Maria Sibylla Merian (1647  1717) – die Vorreiterin

Merian_500DM_WikipediaAus deutscher Sicht sind die Forschungsreisen von Anna Maria Sibylla Merian zu erwähnen, die von großem Mut und großer Zielstrebigkeit zeugen. Um 1700 wagte sie Undenkbares: eine Frau ohne männlichen Schutz wochenlang unterwegs auf hoher See zu fremden Ufern.

Neuland betrat sie in Surinam, nachdem sie 1699 mit dem Verkauf privatem Eigentums die Reise finanzieren konnte. Dort fing sie die Schönheit der Urwälder auf Bildern ein und beobachtete die Metamorphose der Schmetterlinge. Ihre Aufzeichnungen ebneten der modernen Insektenkunde (Entomologie) den Weg. Vor der Einführung des Euros zierte ihr Gesicht die 500-DM-Banknote. Der Reiseführer Merian geht auf ihre Familie zurück.

Gertrude Bell (1868 – 1926) – die Alleskönnerin

Gertrude Margaret Lowthian Bell wurde am 14. Juli 1868 in Washington, Durham geboren. Sie war Archäologin, Linguistin und Bergsteigerin, die erkannte, “dass das eigentliche Vergnügen des Reisens in den Reisegefährten besteht”, wie sie in einem ihrer vielen Briefe an ihren Vater schrieb. Ihre Reisen führten sie vor allem in das ehemlige Mesopotamien, wo sie half die Grenzen des heutigen Iraks festzulegen.

Bell überlebte 53 Stunden an einem Seil hängend an der damals unbezwungenen Nordost Seite des 4.274 Meter hohen Finsteraarhorn in der Schweiz. Sie starb am 12. Juli 1926 aufgrund einer Überdosis Schlaftabletten. Es ist nicht geklärt, ob dies ein Unfall war oder nicht. Sie wurde in Baghdad beerdigt.

Alexandra David-Néel (1868  1969) – die FurchtloseAlexandra David-Neel_Preus museum

“Gehe Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterlässt” – dieser Spruch passt perfekt zum Leben von Alexandra David-Néel. Sie war die erste Europäerin, die nach Lhasa in Tibet reiste. Damals, im Jahre 1924, war das Land für Ausländer gesperrt und die Reise über das Himalaya beschwerlich und lebensgefährlich.

Die belgisch-französische Entdeckerin und Schriftstellerin ließ sich davon nicht abschrecken. Sie verkleidete sich als tibetische Bettlerin, lebte in Höhlen, studierte die buddhistischen Schriften und dank ihrer Aufzeichnungen hat die Welt einen Einblick in die geheimnisvollen Bräuche dieser Religion und dieses Landes bekommen. Ihr Buch My Journey to Lhasa, das im Jahre 1927 in New York veröffentlicht wurde, zählt zu den Klassikern der Reiseliteratur.

Sie veröffentlichte zwei Dutzend weitere Bücher bevor sie im Jahr 1969, kurz vor ihrem 101. Geburtstag, starb.

Freya Stark (1893  1993) – die Legendäre

Die Britin wurde schon zu Lebzeiten als Legende der reisenden und schreibenden Frauen gefeiert. Die Grand old lady zog es, wie Gertrude Bell, in den Nahen Osten, wo sie noch mit 87 Jahren auf einem Malutier durch die Wüste unterwegs war.

Von 1927 bis 1979 sollte sie unter anderem Persien, Jordanien sowie den Libanon bereisen. Ihr Reisebericht von 1934 der noch unerforschten Täler der Assassinen in Persien (deutscher Titel: “Im Tal der Mörder”) verschaffte ihr Ansehen. Weniger analytisch als Bell, waren Starks Reiseberichte vollgepackt mit Details über Manieren und Aussehen, sowie Ausschnitten aus ihren Dialogen vor Ort.

Ihr Lebenswerk wurde 1972 von Königin Elisabeth II. geehrt. Sie wurde in den Adel erhoben und durfte sich bis zu ihrem Tod im Jahre 1993 Dame Freya Stark nennen.

Hier findest Du den zweiten Teil des Artikels: die Zielstrebigen.

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie “Girls on Tour”, die sich Hostels, Reisezielen und Beiträgen speziell für Frauen auf Reisen widmet.

Danke für Norman B. Leventhal Map Center at the BPL, Falcon Writing, Preus museum für die Bilder von Flickr und Wikipedia.

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1 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Max Says:

    Wirklich sehr interessant, über weibliche Entdecker habe ich fast noch nichts gehört. Ich bin schon gespannt, welche Damen im zweiten Teil vorgestellt werden.

    lg
    Max

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